Glanz und Gloria des Brauchtums - zu sehen bis 23. November in Schloss
Rheydt, MönchengladbachSchützen-Adel verpflichtet Mönchengladbach.
Die Pfauen von Schloss Rheydt präsentieren ihre Glanzstücke, ihr
schillernd-buntes Schwanzgefieder, eher widerwillig. Zu viele Besucher des
Museums und Ausflugsortes wollen deren Pracht locken und fotografieren. Alles
andere als widerwillig zeigen jedoch die Schützen derzeit ihre Pracht:
"Schützen, Glanz und Gloria", ist die Ausstellung in Schloss Rheydt betitelt,
die sogar vom Großmeister der europäischen Schützen, Otto von Habsburg, dem Sohn
des letzten österreichischen Kaisers, eröffnet wurde.
Denn auch Schützen-Adel verpflichtet. Mit allem Glanz und Gloria erzählt diese
Ausstellung ein Märchen, das bis in die heutige Zeit andauert und von den
Schützen gelebt wird, ohne dass sie dabei Realitätssinn, Bodenständigkeit und
bisweilen auch eine Spur von Selbstironie verlieren: Dokumentiert etwa im jüngst
von Gladbachs Schützenchef Horst Thoren herausgebrachtem "Schützen-Knigge", dem
humorvollen Benimm-Brevier für Schützen und diejenigen, die es noch werden
wollen. Thoren zeichnet denn auch als Vorsitzender des Ausschusses für
Geschichte und Brauchtum des Bundes der Historischen Deutschen
Schützenbruderschaften mitverantwortlich für diese familienfreundliche und
keineswegs nur für Schützen sehenswerte Ausstellung, die Kustodin Sonja Nanko
vom städtische Museum Schloß Rheydt gemeinsam mit Dr. Britta Spies vom
Rheinischen Schützenmuseum Neuss ausgerichtet hat.
Von Bratwurst und Bier bis hin zu prunkvoll-silbernen Amtsketten, von der
einfachen Jeans-Uniform der Schützen aus dem Ruhrgebiet bis hin zur alten
Adelstracht der polnischen Schützen, nicht zu vergessen den mit Perlen
bestickten Ballroben der Damen, den in Gold und Edelsteinen gefassten Reliquien
reicht das Spektrum. Denn die Schützen "spielen" nicht nur in dem "Märchen" mit
Königen, Kaisern, Hofstaat und sogar Rittern mit, sie stehen auch in sozialer,
in katholischer Tradition. Auch dort verpflichtet der Schützen-Adel. Mit
schnöder Vereinswichtigtuerei hat diese kompakte Zurschaustellung von Glanz und
Gloria aber nichts zu tun: Die "Schätze", die Ketten, Orden, Roben und
Repräsentations-Uniformen werden gezeigt und erklärt als Symbole der
Identifikation, der Gemeinschaft, die alle (!) trägt, auch nach innen soziale
Bedeutung hat.
Der Ritterschlag, den Otto von Habsburg auf einer der Ausstellungstafeln bei den
europäischen Schützen vollzieht, ist nicht nur Ehre oder ein Teil des modernen
Schützen-"Märchens", sondern auch mit sozial-katholischer Verpflichtung
verbunden. Dennoch vermittelt diese Ausstellung nicht nur schwere Bedeutsamkeit
und vielleicht sogar verstaubt anmutende Tradition, im Gegenteil: Aus gutem
Grunde wird in Schloss Rheydt auch ein Kinderprogramm zu dieser Schau angeboten.
Denn auch für kleine und große Nichtschützen ist sie überaus reizvoll zu
betrachten - optisch gut aufbereitet, es gibt viel zu sehen und zu bestaunen
vielleicht ein Stück weit dabei das Schützen-"Märchen" nach zu träumen.
Öffnungszeiten: Bis 23. November, dienstags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr, Museum
Schloss Rheydt, Schlossstraße 508, 41238 Mönchengladbach, Tel. 02166/92890,
Eintritt drei bzw. ermäßigt 1,50 Euro.